Friday, July 01, 2005

Sternschnuppenstunde

Man erlebt ja, so sagen uns die politischen Beobachter, gelegentlich sogenannte "Sternstunden des Parlaments" – die Debatte um den Umzug der Hauptstadt nach Berlin soll so eine gewesen sein. Solche "Sternstunden" laufen ungefähr so ab: Alle, insbesondere die schwergewichtigen "Stars" in der politischen Manege, zoffen sich ganz gewaltig und wunderbar, und nachher liegen sie sich in den Armen und gratulieren sich, auch indirekt über die Medien, wie phanstastisch sie sich doch gefetzt hätten.

Wenn dem so ist, so erlebten wir heute eine Sternschnuppenstunde.

Ich glaube, es war Napoleon Bonarparte, der einmal bemerkte, überragende Menschen erleuchten die Welt, weil sie wie Sternschnuppen verbrennen.

Heute habe ich im Bundestag eine Sternschnuppe gesehen. Sie heißt Werner Schulz und gehört der Fraktion Bündis90/Die Grünen an. Nicht nur verweigerte er seinem Bundeskanzler das gewünschte Mißtrauen, er stand auch noch auf, stieg also aus der Anonymität der Masse der 600 Parlamentarier hervor und erklärte persönlich, weshalb er sich nicht an der Abstimmung beteilige.

Unter anderem sagte der ehemalige DDR-Bürgerrechtler, in Anspielung auf SPD-Chef Münteferings heutige "Einladung", der Regierung das Vertrauen zu entziehen, auch in der Volkskammer habe die SED die Blockparteien immer "eingeladen", bei ihren Vorhaben mitzustimmen.

Insbesondere für diese Aussage wird er derzeit von seiner eigenen Fraktion geteert, gefedert und gevierteilt – er verbrennt quasi soeben.

So kann auch ein kleines Körnchen Wahrheit ein regelrechtes Feuerwerk enfachen, wenn es sich an einer trägen Masse reibt.

Pst! Ich wünsch mir gerade was!

Tuesday, June 28, 2005

Beethoven Downloads

Die BBC (Radio 3) bietet derzeit für sehr begrenzte Zeit komplette Beethoven-Symphonien als kostenlose Downloads für den privaten und nichtkommerziellen Nutzen an, unter der Bedingung, daß der Downloader die Datei nicht weiterleitet.

Leider habe ich die ersten fünf verpaßt. :-(

Hier gibt's derzeit Nr. 6 und 7, demnächst auch 8 und 9.

Freude schöner Götterfunken!

Die drei galaktischen Zivilisationsstufen

"The history of every major Galactic Civilization tends to pass through three distinct and recognizable phases, Survival, that of Inquiry, and that of Sophistication, otherwise known as the How, Why, and Where phases. For instance, the first phase is characterized by the question, 'How can we eat?', the second by the question, 'Why do we eat?'; and the third by the question, 'Where shall we have lunch?'"

- Douglas Adams in "The Hitchhiker's Guide to the Galaxy"

Monday, June 27, 2005

Geld-Ästhetik

Einmal noch wenigstens will ich den Ästhetik-Stein wieder fallen lassen - mal sehen, ob er auch diesmal nach unten fällt!

Hier eine Goldmünzen-Gallerie: Kapitalistische Ästhetik.

Hier eine Geldschein-Gallerie: Sozialistische Ästhetik.

OK - Einschränkungen:

1. Auch diese Goldmünzen sind Produkt eines staatlichen Eingriffs, nämlich des Goldstandards. Aber: Sie sind das Ergebnis von erheblich geringfügigeren Staatseingriffen als das Papiergeld. Mehr dazu hier.

2. Wirklich "be-greifen" kann man den (gerade auch ästhetischen) Unterschied zwischen Teildeckungs-Papiergeld und Realgeld nicht allein vom Angucken, sondern nur, wenn man auch mal das Realgeld in die Hände nimmt. Die relativ große Masse der Goldatomkerne sorgt dafür, wenn in großer Zahl in Goldmünzen oder -barren zusammengefügt, daß diese, selbst die kleineren, erstaunlich (weil meist ungewohnt) schwer in der Hand liegen. Gold "fühlt" sich genauso "unkaputtbar" an, wie es in Wirklichkeit ist. Papiergeld dagegen fühlt sich genauso wertlos an, wie es in Wirklichkeit ist.

Außerdem und überhaupt: Es ist, wie ich finde, viel ästhetischer, mit seinem Geld, egal wo auf der Welt, eben das zu kaufen, wonach einem gerade ist - OHNE vorher das Geld durch Hände gleiten zu lassen, denen die Transaktion eigentlich nichts angeht, die mein berucktes Papier entgegennehmen und mir anders bedrucktes Papier zurückgeben. Ersteres ist mit Gold möglich, nicht mit Papiergeld, das ich (oder mein Verkäufer) über Banken tauschen lassen muß, wenn ich in Ländern mit anderer Währung etwas einkaufe. Letzteres hat die Ästhetik eines Hinterhof-Budenzaubers, ersteres dagegen - das Ergebnis freien, ungehemmten Handels, ist echte Magie der unsichtbaren Hand.

Sunday, June 26, 2005

Sonntagswort, 26.05.2005

Am Acker eines Faulen kam ich vorüber und am Weinberg eines Menschen ohne Verstand. Und siehe, er war ganz in Nesseln aufgegangen, seine Fläche war mit Unkraut bedeckt, und seine steinerne Mauer eingerissen. Und ich schaute es, ich nahm es mir zu Herzen. Ich sah es, nahm mir daraus die Lehre: Noch ein wenig Schlaf, noch ein wenig Schlummer, noch ein wenig Händefalten, um auszuruhen, - und wie ein Landstreicher kommt deine Armut, und dein Mangel wie ein schildbewehrter Mann.

Sprüche 24, 30 - 34