Thursday, March 02, 2006

Blondinen seit 10.000 Jahren bevorzugt - aber wie lange noch?

Gestern wurde ein Artikel der Londoner Times auf LewRockwell.com gelinkt, in dem dargestellt wird, weshalb in Europa vor ungefähr 10.000 Jahren erstmals - und ziemlich abrupt - blondhaarige Menschen erschienen.

Das ist die Theorie:

Als die Gletscher sich in Europa zurückzogen, gab es dort zwar viel Jagdwild, aber kaum für Menschen eßbare Pflanzen. Also konzentrierte sich die Nahrungsmittelbeschaffung auf die relativ gefährliche Jagd. Und da dies Männersache war, kamen relativ viele Männer um. Also gab es einen Frauenüberschuß, folglich ein großer Selektionsdruck auf die Frauen, möglichst attraktiv zu werden. Und offenbar wurden damals hellere Haut, hellere Haare und hellere Augen bevorzugt.

Nun stellt sich aber die Frage, weshalb dies nicht gleichzeitig auch in Nordamerika passiert ist - oder war die Bodenbeschaffenheit eine andere, so daß nicht so viele gefährliche Tiere gejagt werden mußten?

Des weiteren erwähnt der Artikel eine Untersuchung, nach der voraussichtlich im Jahr 2202 aus genetischen Gründen ("blond" ist ein rezessives Gen) die letzten blonden Menschen aussterben werden - da ja nun seit einger Zeit dieser Selktionsdruck nicht mehr vorherrscht. Heute hat ein Beitragsschreiber auf dem lewrockwell-Blog diese Angabe als Zeitungsente entlarvt. Jedoch meint er, daß es aus einem anderen Grund, nämlich der dauerhaften Geburtenschwäche unter den "Nordeuropäern", zu einem deutlichen Rückgang blonder Menschen kommen könnte.

Wie das so ist mit Vorhersagen, sind sie immer dann schwierig, wenn sie sich mit der Zukunft befassen. Es ist zumindest ein gegenläufiger Trend schon absehbar, nämlich daß in Zukunft immer mehr Menschen ihre Kinder genetisch programmieren. So daß wir in Zukunft auch "künstlich" gezüchtete Blondinen haben könnten. Der Bedarf dazu scheint weiterhin da zu sein, wenn man überlegt, wieviel Geld für Haartönung, -färbung, für hellere Haut etc. ausgegeben wird.

2 Comments:

Blogger David said...

Die These ist zu einseitig: Sicher spielt die sexuelle Selektion auch eine Rolle in der Evolution, aber damit ein entsprechendes Angebot von blonden Männern da war, musste es erst einmal genügend blonde Mutanten geben. Und da Abweichungen von der Norm erst einmal nicht sexuell attraktiv wirken (die ersten blonden Mutanten werden wahrscheinlich erst einmal als eine Art hässlicher Albinos empfunden worden sein), bedurfte es erst einmal eines biologischen Selektionsvorteils für Pigmentschwäche. Der bestand in einigen Teilen Europas darin, dass durch nur wenig Sonnenstunden im Jahr die Rachitis-Erkrankungen signifikant viele Menschen dahingerafft haben, während hellere Typen mehr Vitamin D bilden konnten. Erst durch den so entstandenen weißen Standard konnte diese Entwicklung dann durch sexuelle Selektion beschleunigt werden: Das Schönheitsideal waren langsam aber sicher nicht mehr die dunkleren und schneller sterbenden Männer und Frauen, sondern halt die blonden. In arktischen Gegenden wiederum, wo die Sonneneinstrahlung viel stärker ist und zudem durch die Schneereflektion verstärkt wird, war die helle Haut wiederum von Nachteil (Sonnenbrand und andere sonnenbedingte Beschwerden), so dass mehr Pigmente wieder von Vorteil waren, gepaart mit einem Augenschutz in Form einer fettspeichernden Falte. Dadurch kommt es, dass in arktischen Regionen sich Menschen vom Typus der Eskimos bzw. Nordasiaten durchsetzten. Ob diese von den Weißen abstammen oder von einer anderen Linie ist nicht geklärt, jedenfalls gilt der asiatische Typus als relativ jung (40000 Jahre), jünger noch als der europide Typ (100000 Jahre, nicht 10000 Jahre, wie in dem Artikel fälschlicherweise vermutet). Übergänge zwischen beiden Typen finden sich interessanterweise bei zahlreichen Eskimo-Völkern (siehe "blonde eskimos") sowie bei nordasiatischen Völkern wie Jakuten und Korjaken (fälschlicherweise wurde hier oft ein neuerer slavischer Einschlag vermutet).

7:11 pm  
Blogger Robert Grözinger said...

Vielen Dank für die Ergänzung, David. Von der Vitamin D - Theorie habe ich auch schon mal gehört. Hätte im Times-Artikel eigentlich auch erwähnt werden müssen.

7:55 pm  

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