Wednesday, April 20, 2005

Ein Felsen aus Granit


Bei all der Aufregung, die derzeit um die Wahl des erzkonservativen Kardinals Ratzinger zum Papst ventiliert wird, sollte man sich vielleicht einmal an die rhetorische Frage Stalins erinnern, wieviele Divisionen denn der Papst habe.

Keiner ist heutzutage gezwungen, der katholischen Kirche beizutreten oder ihr zu folgen.

Daraufhin auf das in Deutschland herrschende Konkordat hinzuweisen , wirkt da doch im Hinblick auf die Zuständigkeit des Papstes für 1.1 Milliarden Menschen weltweit ein klein wenig provinziell. (Berechtigt ist der Hinweis schon, aber in der gegenwärtigen Diskussion geht's doch um ein klein wenig mehr.)

Papst Benedikt XVI ist die stärkste Macht gegen die derzeit herrschenden Eliten in den allermeisten westlichen Ländern, inklusive den USA – eine Elite, die für den ökonomischen und moralischen Niedergang dieser Länder verantwortlich ist (wobei der eine Niedergang direkt mit dem anderen zusammenhängt und diese sich gegenseitig verstärken) und für die allmähliche Infantilisierung und Versklavung ihrer Mitbürger unter der Kuratel einer säkularen Religion, die den Staat und/oder die Mehrheit als absoluten Wert setzt. Eine Religion, die sich zur Tarnung ihres eigenen Absolutheitsanspruches die Forderung "moralischer Relativismus" auf die Fahnen genäht hat.

Das eisige Schweigen, das seiner Ernennung im Kreise dieser Elite in Deutschland entgegengebracht wurde, ist für mich ein hoffnungsvolles Zeichen – die Labertaschen halten endlich mal den Mund.

(Dabei war mein Sonntagswort eigentlich gar nicht mit der Papstwahl im Sinn gepostet worden. ;-) )

Es gibt übrigens eine Rede von Ratzinger vor katholischen Bundestagsabgeordneten aus dem Jahr 1981 (ich habe aber die deutsche Version nicht im Internet gefunden), worin er deutlich macht, daß das Christentum in einem sich absolutistisch, ja göttlich wähnenden Staat entstand – und gewissermaßen seine Antithese war.

Ich freue mich über einen Papst, der Christentum so versteht.

1 Comments:

Blogger Andreas Ullrich said...

Hi.

Das mit dem 'provinziell' trifft's ganz gut: ich bemühe mich, nur über das zu sprechen, von dem ich zumindest ansatzweise was weiss. Und über die Bedeutung des neuen Papstes für die Entwicklung der Welt weiss ich niX.

Darum beschränkte ich mich auf die Aussage, dass privater Glaube und institutionalisierte Kirche nicht dasselbe sind und sich die Institution schon fragen lassen muss, in wie weit sie auf nicht-Mitglieder Zwang ausübt. Um mehr ging's doch gar nicht.

Und zum Abschluss noch eine Bemerkung zum 'Schweigen der Eliten': der Feind meiner Feinde ist nicht mein Freund. Über diesen Satz würde ich gerne eine Predigt halten, aber ich muss jetzt Frühstück machen ...

Gruss
Andreas

6:23 am  

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