Saturday, April 09, 2005

"Freiheit und Zivilisation" ...

... ist das Leitthema dieses Blogs. Vor allen Dingen, daß beides zusammengehört. Daß es das eine ohne das andere nicht geben kann.

Was verstehe ich unter Freiheit?

Ich schließe mich der Definition an, die Hardy Bouillon in den 1990er Jahren in einem sehr lebendigen "Dialog-Aufsatz" entwickelt hat:

"Individuelle Freiheit ist die Abwesenheit künstlicher Einschränkungen fremden privaten Handlungsspielraumes, die im Falle einer negativen Metawahl künstliche Folgekosten erwarten lassen", (Aus: Hardy Bouillon: Liber, Tas und die Räuber; in: Roland Baader (Hrsg.), Die Enkel des Perikles, 1. Auflage, Resch 1995, Seite 104


Was verstehe ich unter Zivilisation?

Laut Norbert Elias ist Zivilisation "das Sinken der Gewaltbereitschaft" und "das Vorrücken der Schamschwelle" (aus Wikipedia) Dieser Definition kann ich mich anschließen.


Und wie kommt das alles zusammen?

Abgeleitet von der Bouillon’schen Definition ist Freiheit dann gegeben, wenn die Initiierung von Gewalt negative Folgen für den Initiator erwarten lassen, die ausreichen, den potentiellen Initiator von der Ausübung seiner Absicht abzuhalten. Je besser diese Abschreckung funktioniert, desto mehr Freiheit (und Frieden) gibt es.

Daraus folgt, daß, wenn es Freiheit im o.g. Sinne gibt, die Gewaltbereitschaft sinkt, womit wir bei der Elias’schen Definition von Zivilisation sind. Und wenn die Gewaltbereitschaft nachhaltig sinkt, dann haben wir eine Tradition der Gewaltverpönung, womit wir beim "Vorrücken der Schamschwelle" wären.

4 Comments:

Blogger Sascha said...

Hallo Robert,



Dein Bezug auf Norbert Elias ist interessant. ^^ Ich habe sein Buch gelesen und halte es für durchweg empfehlenswert, allerdings muss man auch kritisch damit umgehen, da Elias ein Linker ist, und am Ende z.B. feststellt, dass der Zivilisationsprozess wahrscheinlich zur Konzentration der Produktionsmittel in einer Hand bei anschließender Demokratisierung führen wird, so wie das mit der Staatsgewalt auch geschehen sei. Das zeugt natürlich von absoluter ökonomischer Unkenntnis des besagten Herren. Und auch ansonsten halte ich seinen Bezug auf die Freud'sche Über-Ich Theorie für nicht ganz unproblematisch. Dennoch ist das Werk durchaus lesenswert, vor allem der erste Band, in dem er ganz konkret beschreibt, wie sich Verhaltensregeln etc. über die Zeit verändert haben. Ich glaube in diesem Zusammenhang macht Hoppe ja auch in "Demokratie" in einer Fußnote auf Elias' Buch aufmerksam.

Persönlich würde ich den Begriff "Zivilisation" allerdings etwas breiter fassen als Elias, nämlich nicht nur auf die Entwicklung menschlicher Verhaltensweisen und -regeln beschränkt, sondern auch wissenschaftliche Fortschritte, Entwicklung des materiellen Reichtums, Entwicklung von Kunst und Kultur (was für einen Objektivisten ja kein Problem ist *g*), u.ä. einbeziehend.

Viele Grüße, Sascha. :-)

6:08 pm  
Blogger Robert Grözinger said...

Hallo Sascha,

Danke für die Ergänzungen zu Elias.

Deine Erweiterung des Zivilisationsbegriffes ist nicht falsch, umfaßt aber, wie ich finde, eher sekundäre Merkmale (die insbesondere dann zur Geltung kommen, wenn die "Zivilisation" nicht versucht, ohne Freiheit auszukommen).

10:03 pm  
Blogger Sascha said...

Nunja, mein Zivilisationsbegriff schließt die Freiheit ja mit ein, da die Arbeitsteilung, auf der die Zivilisation m.E. basiert (Interdependenz!), nur in Freiheit erwachsen kann. Staatseingriffe, die die Entwicklung der Arbeitsteilung behindern, wirken entsprechend entzivilisierend - wie Hoppe das ja auch in seiner "Demokratie" in Bezug auf die Zeitpräferenz feststellt.

3:02 pm  
Blogger Alexander said...

Die Aufnahme der erhöhten Schamesgrenze macht aus dem hier verwendeten Begriff der Zivilisation eher den der Zivilisierung. Zivilisation im engeren Sinne ergibt sich aus der Kultur der Aufklärung, und grade diese zieht in einem Konflikt zwischen Vernunft und Tradition, soweit vertretbar, die Vernunft vor.

9:25 am  

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